Historie

Bitcoin kommt in die Welt

  • 18. August 2008: die Webseite bitcoin.org wird von Satoshi Nakamoto und Sirius (aka Martti Malmi) registriert
  • 31. Oktober 2008: das BitcoinWhitepaper wird von Satoshi Nakamoto veröffentlicht
  • 1. November 2008: Satoshi Nakamoto sendet sein Bitcoin p2p e-cash paper an eine Email-Adressen-Liste für Kryptographie (mailing list) und stellt es der Gruppe vor
  • 3. Januar 2009: der erste Block wird von Satoshi Nakamoto durch den Prozess des Minings erschaffen, das Bitcoin Netzwerk ist geboren. Der erste Block enthält zusätzlich eine Nachricht, die als Zeitstempel erkannt wird, ebenso aber auch als Antwort auf das Finazsystem und den von ihr ausgelösten, globalen Finanzcrash von 2007/2008 interpretiert wird: The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks
  • 8. Januar 2009: die erste Bitcoin Software unter dem Namen Bitcoin v0.1 wird von Satoshi Nakamoto veröffentlicht und zum Download bereitgestellt. Sie ist opensource und ist von jeder Person veränderbar
  • 12. Januar 2009: die erste Transaktion wird von Satoshi Nakamoto an Hal Finney gesendet
  • 17. Mai 2010: Bitcoin wird zur ersten Bezahlung einer Ware verwendet; Laszlo_Hanyecz bezahlt 2 Pizzen mit 10,000 Bitcoin
  • 13. Dezember 2010: die letzte aufgezeichnete Aktivität von Satoshi Nakamoto 

Wer ist Satoshi Nakamoto?

Es wurde nie aufgeklärt, wer Satoshi Nakamoto tatsächlich ist oder war. Investigativjournalisten waren weltweit auf der Suche, um die Identität von Satoshi Nakamoto aufzudecken. Auch versuchten sich Einzelpersonen wie Craig Wright, der mittlerweile unter dem Namen Fake Satoshi bekannt ist, die Identität von Satoshi Nakammoto anzueignen. Es ist nicht einmal abschliessend geklärt, ob es sich bei Satoshi Nakamoto um einen Mann, eine Frau oder eine Gruppe von Personen handelt oder handelte.

Die üblichen Fragen, die sich daraus ergeben sind: Wer kontrolliert Bitcoin? Und warum hat sich die Person oder Gruppe niemals zu erkennen gegeben? Die kurze Antwort: der Sinn des Netzwerkes per se – die Dezentralität des Systems, das keinen Single Point of Failure kennt. Sind Systeme an Einzelpersonen gekoppelt, so steht und fällt dieses mit der Person am höchsten Punkt. Auch durch das Einsetzen von Gremien, Treuhänden und Vorständen jeglicher Art sind diese Systeme vor Einflüssen von aussen nicht gewahr. Alle uns bis dato bekannten Versuche die Angreifbarkeit von Machtzentren aufzulösen sind bisher eindeutig gescheitert. Den finalen, kollosalen Beweis zeigte einmal mehr das Finanzsystem auf. Nach der von Banken ausgelösten Wirtschaftkrise 2008, die beinahe einen globalen Kollaps herbeiführte, war es keiner Institution möglich, die auslösenden Parteien von ihren schädlichen Praktiken abzubringen. Die Machtstrukturen sind so verkrustet, dass Veränderungen nicht nur kaum möglich, sondern auch nicht gewollt sind. Ein System, das Vertrauen in Menschen voraussetzt ist von Anbeginn vom Wohlwollen einzelner Menschen abhängig. Kein Mensch oder Gruppe von Menschen kann dabei in der Lage sein, auf Dauer unabhängig, unangreifbar und perfekt zu wirken. Um dies auf Dauer zu gewährleisten wurde ein globales Netzwerk erschaffen, das trustless funkioniert. Keine Entität steht im Zentrum, keine Angreifbarkeit an einem Punkt, No Single Point of Failure. Das einzig gültige Gesetz: Code is Law mit der Bedingung, dass es einen demokratischen Konsens über die Veränderung bestehender Regeln innerhalb des Systems gibt. Wird kein Konsens über eine Veränderung von über 50% der Teilnehmer erreicht, so werden keine Veränderungen vorgenommen.

Obwohl nicht abschliessend geklärt werden kann, wer Satoshi Nakamoto ist oder war, ein Verlaufsstrang, welcher Bitcoin vorausging, ist trotz alledem nachvollziehbar.

1992 wurde die Cypherpunk¹ Mailing List von Tim May, Eric Hughes und John Gilmore gegründet. Weitere Namen, die sich auf dieser Liste finden lassen, waren Jim Bell, David Chaum, Phil Zimmerman, Julian Assange, Adam Back, Wei-Dai und Hal Finney. Ebenso relevant waren schlussendlich Tim Berners-Lee, John Perry Barlow und Nick Szabo.

Bevor Bitcoin erschaffen werden konnte, mussten einige Bedingungen vorhanden und einige Misserfolge durchlaufen werden. Asymmetrische Kryptographie war zum Verschlüsseln von Datensätzen erforderlich und einige digitale Währungen mussten scheitern. Man könnte daher sagen, dass die Vorläufer von Bitcoin Digicash, E-Gold, B-Money, Bitgold oder Hashcash hießen. Sie alle boten Lösungen an, um eine digitale Währung zu erschaffen. Die Beispiele von Digicash oder Liberty Reserve Dollar veranschaulichten, wie der Staat auf unauthorisierte Erschaffung von Zahlungsmitteln reagiert, indem er diese Projekte relativ schnell stillsetzt und sich die führenden Personen vor Gericht zu verantworten haben. Ein weiteres zu lösendes Problem war ua. das Problem des Doppelten Ausgebens (double spending). Hierzu musste ein System erschaffen werden, welches das einfache Kopieren von Währungseinheiten nicht möglich machte, was Adam Backs Hashcash löste.

Auch wenn die Identität von Satoshi Nakamoto ungeklärt ist, so ist der Grund der Abstinenz dieser verständlich und unabdingbar gewesen für den Erfolg von Bitcoin. Zweifel kommen auch heute noch immer auf, wie ein System, frei von Entscheidungsträgern und Machtzentren funktionieren kann und ob es nicht am Ende doch eine Gruppe von Personen gibt, die den Lauf der Dinge beeinflussen könnte. Oder auch, ob Satoshi Nakamoto selbst nicht in der Lage wäre „den Code zu ändern“, ob aus freien Stücken oder unfreiwillig. Dem sei noch einmal der Abschnitt über die Technologie als solches oder das Buch Mastering Bitcoin von Andreas Antonopoulos² zum kostenlosen Download bereit, nahegelegt. Für das System Bitcoin und das Netzwerk als solches ist heute nicht mehr relevant wer Bitcoin erschaffen hat, welche Charakteristiken diese Gruppe oder Einzelperson inne hatte oder welche Intention bei der Erschaffung vorherrschte. Genausowenig wie der Charakter von Sir Isaac Newton eine Rolle spielte bei der Formulierung seiner Newtonschen Gesetze. Diese Gesetze bilden die Grundlage der Mathematik und so dankbar man den Entdeckern auch sein mag, diese Beschreiber von Gesetzen sind im Anschluss an diese Formulierungen nicht mehr wichtig für deren Richtigkeit oder Relevanz. So ist auch Bitcoin eine Formulierung von Regeln und Gesetzen, die im Anschluss an die Formulierung selbst so eigenständig wurde, dass auch der Erschaffer keinen Einfluss mehr auf diese Regeln hat. Sie sind proklamiert und existieren fortan in unserem Weltsystem. Trotz alledem sollte Satoshi Nakamoto dieselbe Achtung erbracht werden, wie anderen wichtigen Erfindern und Entdeckern Ehre erbracht wird und wurde. Die Erschaffung dieses Netzwerkes gleicht der Erfindung des Internets oder auch des Automobils in ihrer Relevanz für die Welt.

Es tritt auch immer wieder die Frage auf, wer denn für das Schreiben des Bitcoin Codes verantwortlich ist, wenn keine übergeordnete Autorität besteht? Die einfache Antwort ist, dass es ein Gemeinschaftsprojekt ist, wobei eine Zentralisierung hier besteht.  Blockstream stellt seit einigen Jahren, die Software, die am häufigsten heruntergeladen wird. Grundsätzlich kann jede Person eine eigene Software mit den bekannten Konsens-Variablen und den Regeln des Bitcoin-Netzwerkes schreiben und diese nutzen. Weichen die Regeln von den bestehenden ab, ist man nicht Teil des Netzwerkes. Sollen Regeln geändert werden, spricht man beim Update von einer Fork. Mindestens 51% der Teilnehmer werden dabei benötigt, um neue Implementieren durchzusetzen. Softwarefehler können dabei schnell zu Problemen führen, auch deshalb gilt die Software von Blockstream als die sicherste. Ausserdem war der CEO Dr. Adam Back Teil der Cypherpunk Mailing Liste, was zusätzlich Vertrauen schenkt. 

Um die Arbeit an der Bitcoin Software besser verstehen zu können, wurden die Beiträge über die Jahre in dem folgenden Video visualisiert:

¹ Cypherpunks haben sich für Privatsphähre eingesetzt. Sie waren den Diskussionen, in denen wir uns heute befinden voraus und haben diese schon früh formuliert, wie Eric Hughes 1993 in: A Cypherpunks Manifesto

² Andreas Antonopoulos ist ein Comuterwissenschaftler, der 2014 vor dem Senate of Canada sprach und mit folgenden Worten vom Head of Commitee vorgestellt wurde: „Today we are pleased to welcome Mr. Andreas Antonopoulos, considered to be THE Bitcoin Guru… Mr. Antonopoulos is both an entrepeneur and author in the field of Bitcoin. He is a computer science graduate from the University College in London. His expertise includes Bitcoin, cryptocurrencies, information security, cryptography, cloud computing, data centers, linux, opensource and robotic software development. He had over 200 articles published and print and is syndicated worldwide. In addition, he is a certified security information professional for over 12 years and is a permanent host on Let’s talk Bitcoin! (a webcast devoted to Bitcoin). Mr. Antonopoulos is also a prolific public speaker… He has literally written the book on Bitcoin, which is entitled Mastering Bitcoin…“ Seitdem ist er weltweit als Fürsprecher auf Konferenzen unterwegs, hält weiterhin öffentlich Reden, um Bitcoin zu erklären und zu beschreiben und hat des Weiteren das Buch Mastering Ethereum in Arbeit. Seine Reden sind legendär und unbedingt empfehlenswert.