Politik

Im August 2017 eruptierte ein 2-jähriger Streit in der Bitcoin Gemeinschaft in eine Aufspaltung aus derer zwei unterschiedliche Versionen von Bitcoin hervorgingen – Bitcoin (BTC) und Bitcoin Cash (BCH). Der Streit drehte sich um die Skalierung der Blockchain, genauer gesagt um die Vergrößerung der Blöcke und wie so häufig – um Macht.

Bitcoin ist ein dezentrales Netzwerk, welchem kein CEO vorsitzt der Entscheidungen fällt. Es gibt keinen Aufsichtsrat, keine Aktionäre. Es gibt niemanden, der Macht auf das Netzwerk nach seinen Vorstellungen ausüben kann, eigentlich. 

Obwohl das Bitcoin Netzwerk dezentral aufgebaut ist und so funktioniert, hat es dennoch Bereiche, die noch nicht so dezentral sind wie man es gerne hätte. Durch eine sehr spezifische Adoptionsrate in der Halbleiter Technologie und der günstigen, beinahe kostenlosen Bereitstellung von Energie in Teilen Chinas (durch Entwicklung von Infrastruktur) hatte sich Bitmain eine zentrale Stellung im Bereich Mining erarbeitet. Während Bitmain in den letzten Jahren beinahe unantastbar war, ist das Unternehmen in den letzten Monaten vermehrt unter Druck geraten und es ist im Begriff diese Vormachtstellung zu verlieren.

Blockstream wiederum stellt seit einigen Jahren die Software und die Software Entwickler im Bitcoin Bereich. CEO von Blockstream ist Dr. Adam Back, Cypherpunk der ersten Stunde, der auch im Bitcoin Whitepaper Erwähnung findet und auf der bekannten Mailing List vorzufinden war. Im Podcast: A decade of bitcoin berichtet Adam Back von seinen Erfahrungen.

Der dritte Bereich der Zentralisierung findet sich bei größeren Wechselbörsen wie Coinbase wieder, welche zur Crypto-Hypezeit im Dezember monatelang die am meisten heruntergeladene App in App Stores bereitstellte. Durch die Listung von Coins und Tokens, sowie der hohen Durchsatzrate haben sie eine gewisse Machtstellung im Ökosystem inne. Hierzu gehören ebenso die Wallet Betreiber, die neue, bereitgestellte Software implementieren können, oder eben auch nicht (was im Softwareupdate Segwit der Fall war) um Druck auszuüben und die Nutzer zu beeinflussen.

Und schlussendlich sind auch die Nutzer des Netzwerks nicht ganz machtlos, wie man an der user activated soft fork sehen konnte. Um Nutzer wiederum zu beeinflussen, versuchen Influencer (zumeist auf [Crypto]Twitter) die Meinung in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Dass dabei aber auch wirtschaftliche Interessen mitspielen, sollte bei den hohen Martkkapitalisierungen außer Frage stehen.

Der Streit über die Blockgröße und die Aktivierung von Segregated Witness¹ wurde zu einem Streit mehrerer Parteien mit unterschiedlichen Interessen, denen jeweils unterschiedliche Influencer beistanden. Was es mit dem New York Agreement, Segwit2x und den Hintergründen auf sich hatte, was schließlich zur Spaltung (fork) führte, kann hier nachgelesen werden.

Am Endes des Tages zeigte sich aber, dass wirtschafliche Interessen von einzelnen Firmen, ob es sich um die großen Mining-Pools oder auch Tauschbörsen handelte nicht ausreichend waren um Bitcoin in einer nachhaltigen Weise zu beeinflussen. Obwohl es zu einem Beschluss (New York Agreement) von einigen Hauptakteuren kam, konnte dieser trotz alledem nicht durchgesetzt werden, da sich Software Entwickler von Blockstream und die Nutzer dagegen gestellt hatten – es kam zu einer Spaltung.  Für kurze Zeit existierten zwei gleichwertige Chains, die den Namen Bitcoin beanspruchten. Schnell wurde aber klar, dass die rückwärts kompatible Software von Blockstream die überwältigende Mehrheit stellte. Der abgespaltene Zweig bekam den Namen Bitcoin Cash (BCH)². Hinter ihm stehen heute noch Jihan Wu und Roger Ver als Hauptprotagonisten. 

Über zwei Jahre wurde versucht Bitcoin in die eine oder andere Richtung hin zu verändern und niemand wusste was geschehen würde, käme es zu einem Split. Auch aus dieser Unsicherheit heraus, wurde immer wieder versucht zu einem Kompromiss zu gelangen. Die Spannung vor dem Entscheidungsdatum war überall spürbar. Nachdem der Rauch aber verzogen war, es zwei unterschiedliche Chains gab und jeder seinen Ideen nachgehen konnte, hatte Bitcoin einmal mehr seine Unverwüstlichkeit und Robustheit nachgewiesen. Es kam nicht von ungefähr, dass Bitcoin kurze Zeit später zu seinem wirtschaftlichen Hype ansetzte und bis Ende des Jahres auf ~ 20.000 USD / Coin und einer Marktkapitalisierung von ~320 Mrd. USD empor schoss. Bitcoin hatte wieder einmal nachgewiesen, dass es ein dezentrales System ist, wenngleich auch einzelne Bereiche zentralisiert erscheinen. Bitcoin ist ein Netzwerk, welches von Asiaten, Europäern, Amerikanern,… kurz global verwendet werden kann, ohne, dass eine Partei sich benachteiligt fühlen müsste.
Der Ölpreis pro Barrel wird in USD abgerechnet und die Vereinigten Staaten verteidigen diesen Umstand mit ihrer absoluten militärischen Macht. Amerikanische Software Plattformen wie Google, Facebook oder Twitter sind in China zensiert. Bitcoin ist global und dezentral. Sollte sich China auf einen Zahlungsanbieter wie Paypal verlassen, wenn dieser per Knopfdruck den Zahlungsverkehr einstellen kann (wie im Falle Irans gezeigt)? Zentrale Institutionen wie Western Union, die horrende Gebühren verlangen um Überweisungen auszuführen sind nicht mehr zeitgemäß. Ebenso wenig zeitgemäß ist es, wie lange Banken für ihre Transfers benötigen, vor allen Dingen wenn sie über Ländergrenzen hinweg und transkontinental ausgeführt werden sollen. Banken erheben auch hier einiges an Gebühren, wenn sehr große Summen transferiert werden sollen. 

Natürlich wird das Vertrauen in Bitcoin noch wachsen müssen. Solche Momente wie der Split und der vorangegangene Streit um die Macht sind aber keine Schwäche Bitcoins. Es demonstriert ganz im Gegenteil seine Robustheit. Bitcoin is here to stay, get used to it.

¹ Segregated Witness: ein Software Update zur Skalierung. Außerdem ist es Voraussetzung um weitere Ebenen auf der Bitcoin Blockchain aufzusetzen

² Bitcoin Cash: der Abspaltung haben sich auch Calvin Ayre (Milliardär) und Craig Wright (welcher als Betrüger unrühmlichen Ruf genießt) angeschlossen. Ironischerweise konnten sie aber nicht einmal 1 Jahr in Ruhe ihrer abweichenden Vision von Bitcoin nachgehen – es kam hier zu einem erbitterten Streit. Da es sich bei BCH aber eher um eine zentrale Blockchain, von Unternehmen gesteuert, denn eine dezentrale Plattform handelte, ist es zu einem Krieg zweier Parteien ausgeartet, mit Roger Ver und Jihan Wu einerseits und Calvin Ayre und Craig Wright andererseits. Der Streit endete vorerst in einer erneuten Abspaltung, in BCH und BSV (Bitcoin Satoshis Vision).
Während die Abspaltung von BTC und BCH eine “vernünftige” Diskussionsgrundlage bot, wie man diese neue Technologie voranbringen sollte, handelte es sich bei der zweiten Abspaltung um reine Wirtschaftsinteressen von Unternehmen. Auch wenn der Name Bitcoin noch im Name auftaucht, hat BSV nichts mehr mit dem Bitcoin Netzwerk zu tun. BSV sind reine Trittbrettfahrer, genau wie all die anderen in dieser Liste.